Am 07.02.20112 veranstaltete die Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin im Rahmen des Safer Internet Days am 07.02.2012 den Fachdialog "Onlinesucht" zum Thema "Verantwortungsvoller Umgang mit Neuen Medien in der Familie". Wie aktuell dieses Thema ist, zeigte sich auch an der großen Nachfrage: Mit 110 Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen (Schule, Jugendarbeit, Jobcenter etc.) war der BVV-Saal im Rathaus Kreuzberg ausgebucht, weitere 50 Personen hatten sich auf die Warteliste setzen lassen.
Erster Referent war Diplom-Sozialwissenschaftler Moritz Rosenkranz von der Universität Hamburg. In seinem Vortrag beleuchtete er den Zusammenhang zwischen den drei "Faktoren": Jugendliche, ihre Familien und die Mediennutzung der Jugendlichen. Er verwies auf Bedeutung und Einfluss der Medien auf Jugendliche und ging auf die Frage ein, welche positiven und welche negativen Einflüsse die Familie auf eine exzessive Computer- und Internetnutzung haben kann. Das Forschungsprojekt, an dem er derzeit arbeitet und von dem er berichtete, umfasst sowohl ein quantitatives Modul (Repräsentativbefragung) als auch qualitative Elemente (Gruppen-diskussion und Experten-Interviews). Da die Studie derzeit noch nicht abgeschlossen ist, konnten keine Ergebnisse veröffentlicht werden (geplante Veröffentlichung im März 2012). Was sich aber bereits jetzt abzeichnet, ist, dass die Familie und damit auch die Eltern eine große Rolle in der Medienerziehung spielen.
Dies unterstrich Michaela Graf (Referentin Fachstelle für Suchtprävention), die in einem zweiten Referat von den UPDATE-Elternkursen der Fachstelle für Suchtprävention berichtete. Einer der zentralen geschilderten qualitativen Eindrücke aus den Elternkursen ist, dass Eltern im Umgang mit den Neuen Medien in der Familie stark verunsichert sind. Häufig wiederkehrende Fragen sind zum Beispiel: Wie viel Computerspielen ist normal? Was soll ich erlauben und wo sollte ich eine Grenze ziehen? Darf ich überhaupt eine Grenze ziehen, obwohl ich von der ganzen Technik eigentlich keine Ahnung habe? Was ist bereits riskantes Computerspielen und wann fängt Onlinesucht an?
Die Unsicherheit von Erwachsenen, den Jugendlichen im Umgang mit den Neuen Medien Orientierung zu geben und Grenzen aufzuzeigen, hat sich als ein großes Hemmnis für ihren Erziehungsauftrag herausgestellt. Es gilt also, die Eltern und ihre Sorgen ernst zu nehmen und sie in ihrer Rolle zu bestärken. Die vierstündigen Elternkurse vermitteln Wissen und Handlungskompetenz. Darüber hinaus berichtete Michaela Graf von den Evaluationsergebnissen der seit 2010 durchgeführten Kurse, an denen bislang 218 Eltern teilgenommen haben.
Die standardisierte, anonyme Befragung direkt im Anschluss an die Kurse ergab:
- 95% der Eltern haben durch die Veranstaltung dazugelernt
- 96% gaben an, die vermittelten Inhalte im Alltag nutzen zu können
Acht Wochen nach Teilnahme des Kurses wird eine Nachbefragung (Katamnese) durchgeführt. Diese ergab:
- 68,8% der Eltern lassen sich seit dem Elternkurs häufiger zeigen, womit ihr Kind die Zeit am Rechner/online verbringt
- 64,2% haben Regelungen getroffen (z.B. über Nutzungszeiten)
- 77,2% setzen bestehende Regeln seit dem Kurs besser durch
- 73,5% sprechen mit ihrem Kind mehr über Medieninhalte (Gefahren, problematische Inhalte)
- 54,4% reflektieren ihr eigenes Mediennutzungsverhalten stärker
- 62% fördern alternative Freizeitaktivitäten noch mehr
Auch in 2012 werden wieder Elternkurse von der Fachstelle für Suchtprävention angeboten.
Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung der Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit / Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die am guten Gelingen des Fachdialogs großen Anteil hatte.
