Alltagsdroge Nikotin?

Derzeit konsumieren mehr als 30% der Weltbevölkerung im Alter von über 15 Jahren Tabakprodukte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (2009) rauchen in Deutschland etwa 25,7% der erwachsenden Bevölkerung ab 15 Jahre, 85% regelmäßig und 15% gelegentlich. Tabak enthält nach derzeitigen Erkenntnissen mehr als 4000 Inhaltsstoffe. Neben dem Hauptwirkstoff Nikotin enthält Tabak eine Reihe weiterer Alkaloide und zahlreiche andere Stoffe, die nachweislich krebserregend sind. Diese zusätzlichen Schadstoffe sind ebenfalls schädlich für die Nichtraucher (Passivrauchen).

Was sind die Effekte?

Beim ungewohnten Tabakkonsum stehen in der Regel Vergiftungserscheinungen im Vordergrund, die sich in Form von Speichelfluss, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Herzjagen bis hin zu Bewusstseinsstörungen und komatösen Zustände äußern können. Bei einer Gewöhnung treten diese Erscheinungen jedoch immer mehr zugunsten einer psychischen Wirkung in den Hintergrund: gesteigerte Aufmerksamkeit, zunehmende Stresstoleranz und gleichzeitig abnehmende Erregung und Aggression. Die akute Wirkung des Rauchens ist größtenteils von der individuellen Situation und Stimmungslage des Konsumierenden beeinflusst. Für das Genussempfinden ist die persönliche Verknüpfung des Rauchens mit positiv erlebten Situationen ausschlaggebend, wie zum Beispiel Rauchen in Gesellschaft, die Zigarette nach dem Essen, die Pausenzigarette etc.

Was sind die Risiken?

Abgesehen von den möglichen akuten Vergiftungssymptomen bei ungewohntem Tabakkonsum sind mit dem Rauchen vor allem die Gefahr der raschen Gewöhnung und Toleranzbildung verbunden. Infolge der Toleranzbildung klingen die positiv empfundenen Effekte des Rauchens bei starken Rauchern schon innerhalb von 20-30 Minuten wieder ab, sodass der Drang nach einer neuen Zigarette entsteht. Beim Ausbleiben einer Nikotinzufuhr kann es zu Entzugserscheinungen kommen, wie zum Beispiel verminderte Frustrationstoleranz, Ärger, Aggressivität, Angst, depressive Stimmung, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Appetitsteigerung. Längerfristige gesundheitliche Risiken sind die Verengung und Verkalkung der Blutgefäße, was zu schwerwiegenden Durchblutungsstörungen führen kann und somit die Thromboseneigung begünstigt. Auch Atmungsorgane sind schwerwiegend bedroht – von einer chronischen Bronchitis bis hin zu Lungenkarzinomen, die in 90-95% der Fälle im Alter zwischen 35 und 69 Jahren als Folge des Rauchens eingeschätzt werden. Darüber hinaus werden 40-45% aller Krebstodesfälle auf das Rauchen zurückgeführt.

(Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V 2012, Tabak Basisinformationen, Hamm)

Schwangerschaft und Rauchen

In Deutschland ist der Konsum von Tabak immer noch weit verbreitet. Mehr als ein Viertel der gesamten weiblichen Bevölkerung raucht.

Am meisten verbreitet ist der Konsum von Tabak unter jungen Erwachsenen. Der Tabakkonsum im mittleren Lebensalter ist allerdings nur geringfügig niedriger. Viele Frauen, die in diesen Lebensabschnitten einen Kinderwunsch haben und schwanger werden, schaffen einen Rauchstopp nicht.
Statistiken belegen, dass heutzutage am Anfang einer Schwangerschaft ca. 13% der werdenden Mütter rauchen.

Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen:

  • haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt
  • besitzen ein dreifach höheres Risiko einer Totgeburt oder perinatalen Mortalität (kindliche Todesfälle im Zeitraum zwischen der Geburt und dem 7. Tag danach)
  • weisen eine zweifach höhere Wahrscheinlichkeit auf, verfrüht Wehen zu bekommen
  • entbinden Kinder, die bei der Geburt durchschnittlich 200g leichter sind
  • erhöhen das Risiko, dass ihr Kind an Leukämie erkrankt

Shisha

Eine Shisha ist eine Wasserpfeife, die traditionell mit einem speziellen Tabakgemisch geraucht wird. Der Tabak wird mithilfe von Kohle erhitzt. Der Rauch wird durch ein mit Wasser gefülltes Gefäß gezogen und danach durch einen Schlauch eingeatmet. Der Shisha-Tabak besteht aus einer speziellen Mischung aus Tabak, Glycerin und Aromastoffen, wie z.B. „Apfel“ oder „Vanille“, und wirkt dadurch harmloser.

Shisha-Rauchen ist mindestens genauso schädlich und suchtgefährdend wie Zigarette-Rauchen.

  • Die Giftstoffe, die durch Verbrennen des Shisha-Tabaks und der Kohle freigesetzt werden, werden durch das Wasser definitiv nicht herausgefiltert.
  • Das Wasser in der Shisha kühlt den Rauch, so dass er sogar noch tiefer eingeatmet wird und tiefere Lungenbereiche geschädigt werden.
  • An einer Wasserpfeife zieht man zwischen 100 und 200 Mal pro Gebrauch – das entspricht in etwa 10 bis 20 Zigaretten.
  • Zusätzlich können ansteckende Krankheiten, wie Herpes, über das Mundstück übertragen werden.

Wasserpfeifen-Rauch schmeckt besonders mild und wirkt deshalb ungefährlich – davon sollte man sich nicht täuschen lassen und lieber ohne dieses „Hilfsmittel“ entspannen!

E-Zigarette und E-Shisha

E-Zigaretten bestehen aus einem Mundstück, einem Akku, einem elektrischen Vernebler und einer Wechsel-Kartusche, in der sich eine Flüssigkeit („Liquid“) befindet. Das Liquid wird beim Ziehen am Mundstück vernebelt und inhaliert. Bei vielen Modellen leuchtet dabei eine Diode (LED) am vorderen Ende auf, die das Glimmen einer Tabakzigarette imitiert. Der Konsum von E-Zigaretten wird als „Dampfen“ bezeichnet.

E-Zigaretten können schädliche Stoffe wie Nikotin, Verneblungsmittel und Zusatz- und Aromastoffe enthalten. Je nach Inhaltsstoffen kann der Dampf schädliche Effekte wie Reizungen im Rachen, Mundraum und in der Lunge verursachen. Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen beim Konsum von E-Zigaretten sind noch unbekannt.

Mittlerweile unterliegen E-Zigaretten einer gesetzlichen Regulierung. Zum einen dürfen sie entsprechend des Jugendschutzgesetzes nicht an Minderjährige unter 18 Jahren abgegeben werden. Zum anderen regelt eine auch in Deutschland umgesetzte EU-Richtlinie den Vertrieb von E-Zigaretten und dass die Inhaltsstoffe entsprechend deklariert sein müssen.

Wie sehr Passivrauch von E-Zigaretten andere schädigt, ist noch schwer abzuschätzen. Sicher ist, dass die schädlichen Stoffe aus den Dämpfen auch an die Umgebung abgegeben werden.

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