Neue Chancen, aber auch Risiken und ungewohnte Herausforderungen
Durch den sukzessiven Abbau von Barrieren, eröffnen sich Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen viele neue Chancen, wodurch sie sich gleichzeitig mit neuen Risiken und Herausforderungen konfrontiert sehen.
So ist problematischer Konsum von Suchtmitteln sowie von digitalen Medien eine Thematik, die in den letzten Jahren zunehmend Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und ihr Umfeld beschäftigen. Außerdem ergeben sich durch die abnehmende Betreuungsintensität mehr Gelegenheiten, viel Zeit unkontrolliert mit digitalen Medien zu verbringen sowie mit Alkohol, Zigaretten und anderen, auch illegalen, Suchtmitteln in Kontakt zu kommen.
Eine besonders vulnerable und bisher schwer erreichbare Zielgruppe
Als besonders vulnerabel gelten Menschen mit sogenannten kognitiven Beeinträchtigungen bzw. mit Lernschwierigkeiten, da zahlreiche Faktoren, z.B. Einschränkungen in Abstraktions-, Reflexions-, Abgrenzungs- und Impulskontrollfähigkeit, ein Mangel an Bewältigungsstrategien als auch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit auch angesichts von Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen, problematisches Konsumverhalten begünstigen können (LWL 2012).
Gleichzeitig treffen fast alle Faktoren auf sie zu, die sogenannte „schwer erreichbaren Zielgruppen“ definieren. Dazu zählen soziale und räumliche Isolation, strukturelle Barrieren, eingeschränkte Mobilität sowie gesellschaftliche Marginalisierung (Rimann 2013, Altgeld 2018).
Während Mitarbeitende in betreuenden Einrichtungen i.d.R. Fernsehen, problematisches Ernährungsverhalten und einen hohen Koffeinkonsum als häufigste Problemfelder benennen, zeigt der Forschungsstand, dass sich bei Menschen mit leichteren kognitiven Beeinträchtigungen die Prävalenzen des Konsums von Alkohol, Nikotin, Cannabis und Glücksspiel weitgehend an die der Durchschnittsbevölkerung ähneln (Rathmann & Schote 2023).