Zahlen und Fakten
Mit zunehmendem Alter sinkt zwar der durchschnittliche Alkoholkonsum, dennoch zeigt ein relevanter Anteil älterer Menschen ein riskantes Konsumverhalten. Aufgrund altersbedingter Veränderungen reagiert der Körper empfindlicher auf Alkohol, sodass bereits geringere Mengen gesundheitliche Risiken erhöhen können.
Demgegenüber nimmt der problematische Gebrauch psychoaktiver Medikamente im Alter zu. Besonders betroffen sind ältere Frauen*. Neben Benzodiazepinen spielen auch andere Schlaf- und Beruhigungsmittel eine Rolle. Benzodiazepine sollten aufgrund ihres hohen Abhängigkeitspotenzials in der Regel nur kurzfristig verordnet werden. Dennoch kommt es insbesondere bei älteren Menschen häufig zu längerfristigen Einnahmen, z.B. infolge von Weiterverschreibungen nach Krankenhausaufenthalten oder durch Dauerverordnungen etwa bei Schlafstörungen oder in Pflegeeinrichtungen.
Ein zentrales Risiko stellt die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente dar. Ältere Menschen sind häufig von mehreren Erkrankungen gleichzeitig betroffen (Multimorbidität) und nehmen entsprechend verschiedene Medikamente ein. Diese sogenannte Polypharmazie erhöht das Risiko für Wechselwirkungen und problematischen Medikamentengebrauch. Schätzungen zum Vorkommen der Medikamentenabhängigkeit in Deutschland variieren, man geht von rund 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen aus, die von einer Medikamentenabhängigkeit betroffen sind. Allerdings wird die Altersgruppe 65+ bei den Befragungen bislang kaum berücksichtigt, sodass die Schätzungen noch höher ausfallen könnten.
Substanzbezogene Störungen im Alter

Grundsätzlich wird zwischen sogenannten „early onset“- und „late onset“-Verläufen unterschieden.
„Early onset“ bezeichnet ältere, überwiegend männliche, Menschen mit einer bereits langjährigen Suchtproblematik, häufig im Zusammenhang mit Alkohol. Hinzu kommen Konsument*innen anderer Substanzen, wie Cannabis, „Partydrogen“, wie Kokain oder Amphetamine, und z.B. substituierte Heroinabhängige, die älter werden. Die verschiedenen Konsumbiografien und aus einer Suchterkrankung entstehenden Bedürfnisse stellen Pflegeeinrichtungen vor neue Herausforderungen.
„Late onset“ beschreibt Personen, die erst im höheren Lebensalter eine Abhängigkeit entwickeln. Hierbei handelt es sich häufiger um Frauen*, wobei insbesondere Medikamentenabhängigkeit eine Rolle spielt.