Kleine Mengen – große (Aus)Wirkung?!

Aufgrund der demografischen Entwicklung und der steigenden Lebenserwartung ist davon auszugehen, dass die Zahl älterer Menschen mit riskantem oder problematischem Substanzkonsum zukünftig zunimmt. Die heute 40- bis 60-Jährigen weisen im Lebensverlauf vergleichsweise hohe Konsumraten auf und erreichen zunehmend ein höheres Lebensalter.

Zahlen und Fakten

Mit zunehmendem Alter sinkt zwar der durchschnittliche Alkoholkonsum, dennoch zeigt ein relevanter Anteil älterer Menschen ein riskantes Konsumverhalten. Aufgrund altersbedingter Veränderungen reagiert der Körper empfindlicher auf Alkohol, sodass bereits geringere Mengen gesundheitliche Risiken erhöhen können.

Demgegenüber nimmt der problematische Gebrauch psychoaktiver Medikamente im Alter zu. Besonders betroffen sind ältere Frauen*. Neben Benzodiazepinen spielen auch andere Schlaf- und Beruhigungsmittel eine Rolle. Benzodiazepine sollten aufgrund ihres hohen Abhängigkeitspotenzials in der Regel nur kurzfristig verordnet werden. Dennoch kommt es insbesondere bei älteren Menschen häufig zu längerfristigen Einnahmen, z.B. infolge von Weiterverschreibungen nach Krankenhausaufenthalten oder durch Dauerverordnungen etwa bei Schlafstörungen oder in Pflegeeinrichtungen.

Ein zentrales Risiko stellt die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente dar. Ältere Menschen sind häufig von mehreren Erkrankungen gleichzeitig betroffen (Multimorbidität) und nehmen entsprechend verschiedene Medikamente ein. Diese sogenannte Polypharmazie erhöht das Risiko für Wechselwirkungen und problematischen Medikamentengebrauch. Schätzungen zum Vorkommen der Medikamentenabhängigkeit in Deutschland variieren, man geht von rund 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen aus, die von einer Medikamentenabhängigkeit betroffen sind. Allerdings wird die Altersgruppe 65+ bei den Befragungen bislang kaum berücksichtigt, sodass die Schätzungen noch höher ausfallen könnten.

Substanzbezogene Störungen im Alter

Grundsätzlich wird zwischen sogenannten „early onset“- und „late onset“-Verläufen unterschieden.

„Early onset“ bezeichnet ältere, überwiegend männliche, Menschen mit einer bereits langjährigen Suchtproblematik, häufig im Zusammenhang mit Alkohol. Hinzu kommen Konsument*innen anderer Substanzen, wie Cannabis, „Partydrogen“, wie Kokain oder Amphetamine, und z.B. substituierte Heroinabhängige, die älter werden. Die verschiedenen Konsumbiografien und aus einer Suchterkrankung entstehenden Bedürfnisse stellen Pflegeeinrichtungen vor neue Herausforderungen.

„Late onset“ beschreibt Personen, die erst im höheren Lebensalter eine Abhängigkeit entwickeln. Hierbei handelt es sich häufiger um Frauen*, wobei insbesondere Medikamentenabhängigkeit eine Rolle spielt.

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Sollten Sie Fragen haben oder Beratung wünschen, können Sie sich jederzeit per Mail sowie persönlich und telefonisch während der Öffnungszeiten an die Fachstelle für Suchtprävention wenden.

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Marc Pestotnik
pestotnik@berlin-suchtpraevention.de

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Fachstelle für Suchtprävention Berlin
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Außerhalb der Öffnungszeiten können Sie uns gerne per E-Mail kontaktieren oder eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter hinterlassen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für eine Abhängigkeitsentwicklung im Alter sind vielfältig und oft miteinander verknüpft. Bestimmte Lebensumstände können das Risiko für einen „late onset“-Verlauf altersbedingt erhöhen:

Körperlich:

  • Chronische Erkrankungen und Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Zunehmender Medikamentenbedarf
  • Veränderte Stoffwechselprozesse

Gesellschaftlich:

  • Einsamkeit und soziale Isolation
  • Altersarmut
  • Abnehmende Autonomie
  • (Frühe) Arbeitslosigkeit bzw. Eintritt in den Ruhestand

 Psychisch:

  • Verlust- und Trauererfahrungen
  • Problematischer Lebensrückblick
  • Bestehende oder sich verstärkende psychische Belastungen

Ergebnisse der Berliner Altersstudie II zeigen, dass Faktoren wie Multimorbidität, die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente sowie soziale Aspekte wie Einsamkeit eng mit der gesundheitlichen Situation älterer Menschen zusammenhängen. Diese Faktoren gelten zugleich als relevante Einflussgrößen im Kontext von Suchtentwicklungen im höheren Lebensalter.

Möglichkeiten der Prävention und Behandlung

Eine wichtige Rolle in der Prävention spielen Hausärztinnen und Hausärzte, Apotheken, Fachkräfte in Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie in Physio- und Ergotherapie. Frühzeitige Ansprache, Sensibilisierung und niedrigschwellige Beratungsangebote sind zentrale Ansatzpunkte.

Bei einer Behandlung sind die Erfolgsaussichten mindestens ebenso hoch wie bei Jüngeren, bedingt durch:

  • Vorhandene Lebens- und Bewältigungserfahrungen
  • Großes Pflichtgefühl
  • Gute Compliance (Bereitschaft ärztlichen bzw. therapeutischen Anweisungen zu folgen)
  • Wunsch nach Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität

Bereits kleine Veränderungen im Konsumverhalten können zu einer deutlichen Verbesserung von Wohlbefinden, Gesundheit und Alltagskompetenz führen.

Handlungsfelder der Prävention von Sucht im Alter

Angebote für Fachkräfte

Damit Prävention wirksam ist, ist es unerlässlich, Fachkräfte in den Settings zu befähigen, Angebote vor Ort umzusetzen. Dies gilt auch für die Lebenswelten im Kontakt mit älteren Menschen und deren Angehörigen. Werden Sie Multiplikator*in, um Suchtprävention nachhaltig in hoher Qualität zu gestalten.

  • Programm Suchtsensible Pflege 
    Das Fortbildungskonzept „Suchtsensible Pflege“ zielt zum einen darauf ab, Pflegekräfte zu unterstützen, mit Sucht/-gefährdung professionell umzugehen. Diese Handlungskompetenz gibt im beruflichen Alltag Sicherheit und führt zu Entlastung der Pflegenden. Zum anderen soll es dazu beitragen, dass die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen soweit möglich erhalten bleibt oder wiedererlangt wird.
  • Programm „Suchtsensible Pflegeberatung“
    Die „Suchtsensible Pflegeberatung“ vermittelt den Pflegeberater*innen nicht nur Hintergrundwissen zu Sucht, sondern auch Strategien angemessener Intervention sowie Grundlagen erfolgreicher Kommunikation. Auf diese Weise wird Handlungskompetenz im Umgang mit problematisch Konsumierenden und deren Angehörigen gestärkt sowie Sicherheit und Entlastung in den beruflichen Alltag gebracht.
  • Weiterbildung „Zwischen Selbstoptimierung und Medikamentenmissbrauch“
    Diese Weiterbildung informiert über Medikamente, deren Wirkweisen und Missbrauchspotentiale, das breite Spektrum an betroffenen Zielgruppen in verschiedenen Settings sowie rechtliche Hintergründe, Handlungsalternativen und Hilfsangebote.
  • Infoblatt Medikamente
    Wovon reden wir, wenn es um problematischen Medikamentenkonsum geht? Welche Bevölkerungsgruppen sind betroffen? Welche Konsummotive stecken dahinter? Wie kann man präventiv handeln? Das Infoblatt Medikamente gibt einen Einblick in Medikamente mit erhöhtem Missbrauchs- oder Suchtpotenzial, unterschiedliche Risikogruppen und verweist auf Präventionsmöglichkeiten sowie Beratungs- und Hilfsangebote.
  • Broschüren Suchtsensible Pflege/Suchtsensible Pflegeberatung
    Hintergrundinformationen zu substanzbezogenen Störungen im Alter und Möglichkeiten professioneller Intervention auf Grundlage der motivierenden Gesprächsführung. Bestellung/Download Suchtsensible Pflege. Bestellung/Download Suchtsensible Pflegeberatung. 

Für pflegende Angehörige

Einen Angehörigen zu Hause zu versorgen, kann mit hohen psychischen und körperlichen Herausforderungen einhergehen. In diesem Zusammenhang können Substanzkonsumprobleme bei den zu pflegenden Personen und auch den Angehörigen selbst zur Belastung werden. den folgenden Angeboten ist diese Gemengelage bekannt und wollen Unterstützung bieten.

  • Fachstelle für pflegende Angehörige
    Infos zu Entlastungs- und Unterstützungsstrukturen für pflegende An- und Zugehörige sowie Fachkräfte und Ehrenamtliche
  • Kontaktstellen PflegeEngagement
    In den Kontaktstellen PflegeEngagement werden Pflegeselbsthilfegruppen (z.B. Gesprächsgruppen, bewegungsorientierte Angebote oder Gedächtnistraining), ehrenamtliche Besuchsdienste für hilfebedürftige Menschen und Informationsveranstaltungen organisiert.
  • Gesund.Bund 
    Gesundheitsinformationen für pflegende Angehörige sowie hilfreiche weiterführende Links zur Bewältigung des Pflegealltags
  • Pflegen-und-leben.de
    Psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige, aber auch für Freund*innen und Nachbar*innen, die erkrankte oder hilfsbedürftige Menschen im häuslichen Umfeld versorgen – anonym, kostenfrei und datensicher.

Angebote für ältere Menschen

Verknappung an sozialen (Alltags)Kontakten und niemanden zum Reden zu haben kann für Menschen eine hohe Belastung sein. Gerade im Alter stellt sich diese Situation häufiger ein, folgende Angebote setzen hier an:

  • Telefonseelsorge Berlin
    Das Seelsorgetelefon ist für Menschen, die ein offenes Ohr suchen bei Sorgen, Nöten und in Krisensituationen – anonym, rund um die Uhr und gebührenfrei.
  • Silbernetz – das Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter
    Silbernetz bietet bundesweit Hilfe für ältere Menschen mit Einsamkeitsgefühlen. Am Silbertelefon zum einfach mal Reden bei Bedarf, mit den Silbernetz-Freund*innen, die ihre*n Senior*in regelmäßig zu einer festen Zeit anrufen und erste Schritte aus der Isolation begleiten und der Silberinfo, die über Angebote für ältere Menschen informiert.
  • Berliner Pflegestützpunkte 
    Information, Beratung und Unterstützung rund um Pflege und Alter – neutral, kostenlos und individuell.

Weitere Informationen

Verschiedene Netzwerke, Informations- und Hilfsangebote zu angrenzenden Themen.