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Die Grenze zwischen Medienkompetenz und Sucht

Wo verläuft die Grenze zwischen Medienkompetenz und Sucht? Was sind die Vorteile und was die Risiken von Sozialen Medien, Digitalen Spielen und anderen Online-Aktivitäten?  Täglich suchen verunsicherte Pädagog*innen, ratlose Eltern und junge Menschen, die sich Sorgen um Freund*innen machen, zum Thema Computer- und Internetsucht Rat und Unterstützung.

Digitale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, Internet und Co gehören zur Lebenswelt einfach dazu. Erwachsene Personen müssen einen bewussten Medienumgang leben, Medienkonsum selbst regulieren und eine digitale Balance finden im Beruflichen wie im Privaten. Jugendliche stehen oft im Fokus der Diskussion um Mediennutzung – sie nutzen viele digitale Angebote und sind gleichzeitig besonders vulnerabel.

Im Familienalltag sind Medien oftmals ein kontroverses Thema, weil die Ansichten von Eltern und ihren Kindern nicht nur hinsichtlich der Nutzungsdauer häufig auseinandergehen, sondern auch darüber, was gespielt wird und welche Inhalte konsumiert werden dürfen. Durch die Smartphonenutzung unterscheiden die meisten Jugendlichen nicht mehr zwischen Online- oder Offline-Aktivitäten.

Aber nicht nur in der Familie, sondern auch in Schule, Ausbildung und Beruf, manchmal auch schon in der Kita, spielen Medien eine Rolle. Grundsätzlich gilt: Ein gesunder und verantwortlicher Umgang mit Medien braucht klare Regeln und Orientierung – hier sind Eltern wie Fachkräfte gleichermaßen gefragt.

Kann Mediennutzung süchtig machen?

War der Begriff „Internetsucht“ ursprünglich Mitte der neunziger Jahre eine witzige Scheindiagnose des Psychiaters Ivan Goldberg, setzte sich in den folgenden Jahren in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion die Erkenntnis durch, dass mit dem Anstieg der Computer- und Internetnutzung eine neue verhaltensbezogene bzw. stoffungebundene Sucht entstehen kann. 2013 wurde im DSM-5 die „Internet Gaming Disorder“ als Forschungsdiagnose aufgenommen, die WHO hat die Diagnose „Gaming Disorder“ in der 11. Auflage des weltweit anerkannten Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen (International Classification of diseases (ICD)) aufgenommen, die 2022 in Kraft getreten ist. Damit wird deutlich, dass „online sein“ Gegenstand von Suchtprävention sein muss. Darüber hinaus bringt das Internet – neben vielen positiven Faktoren – Risiken mit sich wie Cybermobbing, jugendgefährdende Inhalte und Fake News.

Die sogenannte Computerspielstörung ist ähnlich wie das pathologische Glücksspiel gekennzeichnet durch

  • den Kontrollverlust über das Spielverhalten,
  • die Priorisierung des Spielens über andere Hobbys oder Verpflichtungen sowie Vernachlässigung dieser,
  • das Weiterspielen, trotz negativer Konsequenzen.

Dazu muss das Verhalten noch zu einem Leidensdruck führen und psychosoziale Einschränkungen für die betroffene Person mit sich bringen. Ähnliche Kriterien werden genannt für die Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung sowie die Kauf-Shopping-Störung. Die „Pornosucht“ wird als Pornografie-Nutzungsstörung unter die Impulskontrollstörungen gefasst. Für eine Diagnose müssen diese Merkmale für mindestens 12 Monate auftreten, in Ausnahmefällen kann die Diagnose auch früher gestellt werden.

Für eine erste Einschätzung zum eigenen Medienverhalten können Selbsttests genutzt werden:

Selbsttest für Jugendliche

Selbsttest für Erwachsene

Bei auffälligen Ergebnissen sollte immer eine professionelle Einschätzung eingeholt werden; zum Beispiel durch eine Beratungsstelle oder eine Ärztin/einen Arzt.

Gleichzeitig ist es so, dass alle Menschen in der modernen Gesellschaft einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien und dem Internet erlernen müssen – ohne dies wäre Arbeit, Lernen, Kommunikation nicht mehr denkbar.

Die Fachstelle für Suchtprävention unterstützt mit unterschiedlichen Projekten und Materialien Eltern, Pädagog*innen und Jugendliche bei dieser Aufgabe. Gerne stehen wir Ihnen mit praktischen Tipps zur Seite, unter anderem dabei:

  • zu entscheiden, ab wann man von „zu viel“ oder gar problematischer bzw. süchtiger Mediennutzung sprechen kann
  • die Balance zu halten zwischen Erlaubnis und Verbot – mit dem Ziel einer ausgewogenen Nutzung
  • im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen auch bei diesem Thema zu bleiben
Kontakt

Interesse geweckt?

Sollten Sie Fragen haben oder Beratung als Fachkraft wünschen, können Sie sich jederzeit per Mail sowie persönlich und telefonisch während der Öffnungszeiten an die Fachstelle für Suchtprävention wenden.

Dann kontaktieren Sie uns gerne:

Anna Freiesleben
freiesleben@berlin-suchtpraevention.de

Eltern/Erziehende oder Jugendliche, die Beratung wünschen, können sich direkt an unsere Berliner Präventionspraxis wenden.

Sie finden uns hier:

Fachstelle für Suchtprävention Berlin
Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin
Tel.: 030 – 29 35 26 15

Telefonisch erreichen Sie uns zu unseren Öffnungszeiten:
Montag 10.00 – 14.00 Uhr, Dienstag 10.00 – 18.00 Uhr,
Donnerstag 16.00 – 19.00 Uhr und Freitag 09.00 – 13.00 Uhr.

Für weitere Informationen, Präventions- und Hilfsangebote empfehlen wir zusätzlich folgende Seiten:

Landesprogramm Verhaltenssüchte
Das Berliner Landesprogramm für Verhaltenssüchte ist ein Netzwerk verschiedener Akteure aus Prävention, Hilfe, Selbsthilfe und Verwaltung zu allen Verhaltenssüchten.
www.landesprogramm-verhaltenssuechte.berlin

Zentrum für Verhaltenssucht (Caritas)
Ein kostenfreies Beratungsangebot für Betroffene und Angehörige zu Glücksspielsucht, Computerspielsucht, Internetsucht, Kaufsucht oder Pornografiesucht. Auch Online-Beratungen und Präventionsangebote.
www.verhaltenssucht-berlin.de

Präventionszentrum für Verhaltenssüchte (pad gGmbH)
Informationen, Materialien, Methoden und Veranstaltungen zu verschiedenen Verhaltenssüchten
www.pzvs.berlin

Landesprogramm jugendnetz.berlin
Informationen zum Thema Medienbildung und den Berliner Medienkompetenzzentren:
www.jugendnetz.berlin

www.fv-medienabhaengigkeit.de
Bundesweites Netzwerk aus Expert*innen

www.ins-netz-gehen.de
Infoportal für Jugendliche

www.jugendschutz.net
Initiative zur Einhaltung des Jugendschutzes im Internet

www.klicksafe.de
Informationen, Broschüren und Unterrichtsmaterialien

www.medien-kindersicher.de
Anleitungen zu technischen Schutzeinstellungen für verschiedene Geräte und Apps

www.schau-hin.info
Medienratgeber für die ganze Familie

www.spieleratgeber-nrw.de
Datenbank mit pädagogischer Einschätzung für viele digitale Spiele

Handlungsfelder der Prävention exzessiven Medienkonsums

Angebote für Schule und Jugendarbeit

Schule und Jugendarbeit sind wichtige Lebensorte für Jugendliche, gleichzeitig ist Medienkonsum auch dort ein großes Thema und beeinflusst den Alltag.

  • Durchblick 3D
    Kostenfreies Suchtpräventionsangebot für Berliner Jugendliche, verschiedene Themenschwerpunkte möglich
  • Prev@School
    Ganzheitliches Suchtpräventionsprogramm für Berliner Schulen
  • GAMER OVER – Entwicklungsstufen Online-Glücksspiel-Sucht
    Interaktive Methode zu den Themen Online-Nutzung und Glücksspiel, die junge Menschen für problematische Verhaltensmuster sensibilisiert und eine differenzierte Betrachtung von kompetenter, problematischer und pathologischer Nutzung von (Online-)Glücksspielen vermittelt
  • Methodensammlung: Digitale Medien – (Online-)Glücksspiel
    Die Methodensammlung widmet sich dem (Online-)Glücksspiel und der Nutzung von digitalen Medien und beinhaltet zum einen Hintergrundwissen zu digitalen Medien und (Online-)Glücksspiel sowie zur Suchtthematik, zum anderen Empfehlungen zur Durchführung von Präventionsveranstaltungen. Kernstück sind interaktive Methoden für die pädagogische Arbeit mit jungen Menschen ab 12 Jahren

Angebote für Eltern und Sorgeberechtigte

Der Umgang mit Medien in der Familie beschäftigt viele Eltern und Erziehende, insbesondere in der Pubertät gibt es oft Streit um Nutzungszeiten und Inhalte. Gleichzeitig haben Eltern einen großen Einfluss auf die Mediennutzung, durch Vorbild, Haltung und Beziehung. Informations-, Beratungs- und Austauschformate sind daher ein wichtiger Baustein, um einen gesunden Medienumgang in Familien zu fördern und Eltern in ihrer Haltung zu stärken.

  • Online-Elternseminar „Digitale Medien“
    Informationsvermittlung, Handlungsempfehlungen und Austausch mit anderen Sorgeberechtigten
  • Elternabend „Digitale Medien“
    1,5-stündiger Elternabend für Schulen und andere Einrichtungen – Informationsvermittlung und Handlungsempfehlungen direkt vor Ort
  • Berliner Präventionspraxis
    Anonyme und kostenlose Beratung für Eltern und Jugendliche
  • Handlungsempfehlungen für Eltern
    Ratgeber für Eltern, um Kinder und Jugendliche vor riskantem Umgang mit Alkohol, Cannabis oder Handy zu schützen – interaktive Online-Version: www.kompetent-befaehigen.de
  • Infomaterialien
    Verschiedene Flyer mit konkreten Handlungsempfehlungen für gelingende Mediennutzung in der Familie. Aufklärung über Nutzungszeiten auf und weitere Tipps. Erhältlich in 7 Sprachen

Angebote für Fachkräfte

Damit Prävention wirksam ist, ist es unerlässlich, Fachkräfte in den Settings zu befähigen, Angebote vor Ort umzusetzen. Werden Sie Multiplikator*in, um Suchtprävention nachhaltig in hoher Qualität zu gestalten.

Gerne vereinbaren wir auch individuelle Angebote nach Anfrage.

Angebote im betrieblichen Kontext

Junge Erwachsene in Ausbildung und Beruf sind eine besonders vulnerable Zielgruppe in Bezug auf Mediennutzung: Sie müssen ihren Konsum selbst regulieren und gesunde Routinen etablieren.

  • Smart am Start
    Webseminar für Auszubildende für eine digitale Balance: Reflexion und gesunde Strategien im Umgang mit Medien für junge Erwachsene. Auch geeignet für Berufsschüler*innen

Kompetent statt abhängig

Weitere Informationen oder Unterstützung erhalten Sie bei uns in der Fachstelle oder über unser Bestellportal.