Notwendige Behandlung – Risiko Sucht

Medikamente dienen in einer bestimmten Dosierung zur Heilung bzw. Linderung oder aber zur Vorbeugung bestimmter Krankheiten. Allerdings kann die Anwendung von Medikamenten auch Risiken bergen. So haben Medikamente häufig unerwünschte Nebenwirkungen und können darüber hinaus ein eigenes Missbrauchs- und Suchtpotenzial besitzen. Im Jahrbuch Sucht 2019 schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) die Anzahl medikamentenabhängiger Menschen in Deutschland auf derzeit 1,5-1,9 Mio., besonders häufig sind hiervon Frauen und ältere Menschen betroffen.

Trends

Mit geschätzt 1,2-1,5 Mio. Menschen ist der Großteil der Betroffenen von Substanzen wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig. Beispielhaft seien hierfür die Benzodiazepine und, laut DHS mittlerweile am häufigsten als Schlafmittel verordnet, die sogenannten Z-Substanzen genannt. Bildet die Abhängigkeit von Schlaf- und Beruhigungsmitteln bislang zwar den eindeutigen Schwerpunkt, so zeichnen sich hinsichtlich der Konsument*innen sowie deren Konsummotivation aber auch neue Entwicklungen ab.

Der Gesundheitsreport 2009 der DAK weist explizit auf das Phänomen des sogenannten „Gehirndopings“, dem medikamentösen Neuro-Enhancement, hin. Die DAK-Studie stellt u. a. fest, dass ca. 2 Millionen deutsche Beschäftigte schon einmal zu Arzneien gegriffen haben, um ihre eigenen Leistungen zu steigern. Eine Befragung von 6.700 Student*innen im Rahmen der HISBUS-Studie zu Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden ergab 2015, dass 14% der Befragten während ihres Studiums schon einmal legale (8%) oder illegale (6%) Substanzen zur Leistungssteigerung und/oder Stresskompensation eingenommen hatten.

Typische Anzeichen von Medikamentenabhängigkeit:

  • Einnahmen sind weder krankheits- noch situationsbezogen
  • Konsum, um bestimmte Gefühle zu betäuben oder herbeizuführen oder Einnahme vor Auftreten der Beschwerden
  • Verheimlichung, Bagatellisierung des Konsums – Sorge, dass der Arzt kein Rezept mehr ausstellt
  • Aufsuchen verschiedener Arztpraxen, um die Medikamente verschrieben zu bekommen, sowie verschiedener Apotheken zum Einlösen der Rezepte bzw. zum Kauf der Medikamente
  • Nachlassende Wirkung bei gleichbleibend hoher Dosierung bzw. Notwendigkeit der Dosiserhöhung, um die gewünschte Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung)
  • Entzugssymptome beim Absetzen des Medikaments, z. B. Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Unruhe, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Halluzinationen, Krämpfe etc.

Ohne Aufklärung kein Problembewusstsein

Die Tatsache, dass Medikamente in der Regel bei Beschwerden eingenommen werden und meist sogar ärztlich verordnet wurden, erschwert die Entwicklung eines Problembewusstseins hinsichtlich einer möglichen Abhängigkeit bei den Konsument*innen. Zentrale Rolle spielen hier die Apotheker*innen sowie Ärzt*innen – insbesondere Hausärzte.

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